Islamswiss.ch
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1. Muss man die Absicht zum Fasten des Monates Ramadan jeden Tag erneuern?

Die Absicht ist eine Elementarpflicht, ohne die das Fasten rechtsungültig ist. Man muss die Absicht vor der Morgendämmerung fassen, und zwar in irgendeinem Teil der Nacht, die nach Sonnenuntergang beginnt. Bei den Malikiten genügt eine einmalige Absicht für den ganzen Monat.

 

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

 

2. Ist das Fasten ohne Gebet ungültig?

Das Unterlassen des Gebets ist für einen Muslim nicht gestattet. Die Verheissungen Allahs, des Erhabenen, und SEINES Gesandten (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) drohen mit Nachdruck demjenigen, der das Gebet unterlässt und seine Angelegenheit vernachlässigt. In einem von Imam Ahmad, At-Tirmidhi, An-Nasai und Ibn Madscha überlieferten und von At-Tirmizi, Ibn Hibban und Al-Hakim für authentisch erklärten Hadith sagte der Prophet (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) sogar: "Die Verpflichtung, die zwischen uns und ihnen steht, ist das Gebet; wer es unterlässt, der hat den Islam bereits geleugnet." Die Phrase der hat den Islam bereits geleugnet in diesem ehrwürdigen Hadith und in weiteren bedeutungsgleichen Hadithen meint, dass man etwas Gravierendes begeht und durch das Nicht-Verrichten des Gebetes den Islam-Leugnern ähnelt. Die Todsünden gehören zu den Sektionen des Islam-Leugnens, genauso wie fromme Handlungen zu den Sektionen des Glaubens gehören. Man fällt aber deswegen nicht vom Islam ab (Allah, der Erhabene, bewahre!), denn der das Gebet Unterlassende wird erst als Islam-Leugner bezeichnet, wenn er ihm abschwört und es in Abrede stellt. Nichtsdestoweniger begeht er dadurch eine der Todsünden.
Ein Muslim ist zum Verrichten aller ihm von Allah, dem Erhabenen, zur Pflicht auferlegten Anbetungshandlungen wie Gebet, Fasten, Sozialpflichtabgabe, Hadsch und anderen gehalten, sofern er zum Personenkreis der zur Einhaltung der religiösen Vorschriften Verpflichteten gehört, und muss sich ihnen allen verpflichtet fühlen, und zwar gemäss den Worten Allahs, des Erhabenen:

O ihr, die glauben! Nehmt an die islamische Friedenslehre gänzlich! ...
                                                                                                 (Sure 2, Vers 208)

Bei der Interpretation dieses Koran-Verses heisst es: "Das bedeutet, fühlt euch allen Scharia-Normen des Islam und dessen Anbetungshandlungen verpflichtet!" Man darf unter den religiösen Pflichten nicht auswählen, indem man einige von ihnen verrichtet und die anderen unterlässt, denn er wird gemäss den folgenden Worten des Erhabenen beurteilt:

... Glaubt ihr denn an manches des Buches und leugnet manches? ...
                                                                                                  (Sure 2, Vers 85)

Jede dieser zur Pflicht erhobenen Anbetungshandlungen hat ihre eigenen Elementarpflichten und Bedingungen, wobei diese Elementarpflichten und Bedingungen nicht mit dem Verrichten anderer Anbetungshandlungen zusammenhängen. Verrichtet ein Muslim auf richtige Weise eine Anbetungshandlung mit Unterlassen einer anderen, genügt ihm jene und befreit ihn von seiner Verpflichtung hinsichtlich dieser durchgeführten Anbetungshandlung, wohingegen er eine Sünde ob des Unterlassens der Durchführung anderer Anbetungshandlungen begeht. Wer also fastet und nicht betet, dessen Fasten ist rechtsgültig und nicht unvollkommen, denn zur Rechtsgültigkeit des Fastens ist das Verrichten des Gebets keine Voraussetzung, wobei er jedoch hinsichtlich seines Unterlassens des Gebets von der Scharia her ein Sünder ist sowie eine der Todsünden begeht. Er muss sich also umgehend Allah, dem Erhabenen, in Busse zuwenden.
Was nun aber die Frage der Belohnung betrifft, so liegt dies im Verantwortungsbereich Allahs, des Erhabenen. Freilich kann der betende Fastende auf mehr Belohnung, Vergeltung für gute Taten und Akzeptanz hoffen als derjenige, der nicht betet.
Und Allah, der Hocherhabene, weiss es am besten!

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

3. Sind die Gebete und das Fasten einer Frau ohne Kopftuch gültig?

Die für eine muslimische Frau von der Scharia her geforderte Kleidung hat ihr Allah, der Erhabene, vorgeschrieben, und ER hat es ihr auch verboten, dass sie das enthüllt, dessen Verhüllung ER ihr vor den Männern, die ihr zum Heiraten nicht verwehrt sind, geboten hat.
Die von der Scharia her geforderte Kleidung besteht aus dem, was ihren ganzen
Körper ausser ihr Gesicht und ihre Hände verhüllt, wobei sie weder entblössend noch abzeichnend oder durchscheinend sein darf.
Die diversen Pflichten aus der Scharia gelten untereinander hinsichtlich ihrer Ausübung nicht als Stellvertreter für andere. Verrichtet also jemand beispielsweise das rituelle Gebet, stellt dies für ihn keine Rechtfertigung für das Unterlassen des Fastens dar. Und verrichtet eine Frau das rituelle Gebet und das Fasten, ist dies für sie kein Rechtfertigungsgrund, dass sie das Tragen der von der Scharia her geforderten Kleidung unterlässt.
Eine muslimische Frau, die betet und fastet und sich der von Allah, dem Erhabenen, ihr in der Scharia gebotenen Kleidung, nicht verpflichtet, tut mit ihrem Gebet und Fasten etwas Gutes, wohingegen sie durch das Lassen des ihr vorgeschriebenen Kopfschleiers eine Sünde begeht. Die Frage der Annahme dieses ihres Verhaltens liegt bei Allah, dem Erhabenen.
Ein Muslim ist jedoch beauftragt, eine gute Meinung über seinen Herrn, den Gepriesenen, zu haben, auch wenn er eine Sünde respektive Missetat begangen hat. Er muss auch wissen, dass es zur Barmherzigkeit seines Herrn, des Gepriesenen, ihm gegenüber gehört, dass ER schlechte Taten durch gute Taten vergehen lässt und nicht umgekehrt.
Er soll auch mit seinem Herrn eine neue Seite aufschlagen, auf der er seine Sünden bereut und den Monat Ramadan zu einem Ausgangspunkt für rechtschaffene Werke gestaltet, die ihn den Weg zu Allah, dem Erhabenen, beschreiten und in eine Position SEINES Wohlgefallens geraten lassen.
Die muslimische Frau, die Allah, der Erhabene, durch ihren Gehorsam IHM gegenüber sowie durch ihre Bindung an das Verrichten des Gebets und Fastens im Monat Ramadan ehrte, muss ihrem Herrn dafür danken, und zwar durch das Ausüben der religiösen Pflichten, die sie vernachlässigt. Denn zu den Zeichen der Annahme einer guten Tat gehört SEIN Rechtleiten zu einer weiteren guten Tat.
Und Allah, der Hocherhabene, weiss es am besten!

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

4. Darf ein Mann seine Frau während des Fastens küssen?

Das Küssen der Ehefrau vom Fastenden mit Absicht des Sinnengenusses ist bei den meisten Rechtsgelehrten von der Scharia her unerwünscht. Dies kann nämlich zum Zunichtemachen des Fastens führen. Ein Kuss ist von der Scharia her verboten, wenn jemand durch ihn einen mit hoher Wahrscheinlichkeit stattfindenden Samenerguss befürchtet. Das Küssen ist aber von der Scharia her nicht unerwünscht, wenn man dies ohne Absicht des Sinnengenusses, sondern zum Beispiel aus Barmherzigkeit oder beim Abschied tut, unter der Bedingung, dass der Fastende sich beherrschen kann. Kann er sich beherrschen, so ist nichts gegen das Küssen einzuwenden, und zwar gemäss einem von Al-Buchari und Muslim nach einer Aussage von Aischa, der Mutter der Gläubigen (möge Allah an ihr Wohlgefallen finden!), überlieferten Hadith, dass sie berichtete: "Der Gesandte Allahs (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) pflegte während des Fastens seine Frauen zu küssen und zu streicheln. Er ist aber unter euch der beste sich Beherrschende." 
In einem von Abu Dawud nach einer Aussage von Abu Huraira (möge Allah an ihm Wohlgefallen finden!) überlieferten Hadith wurde berichtet: "Ein Mann fragte den Gesandten Allahs (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen!) über das Streicheln des Ehepartners beim Fasten. Der Gesandte erlaubte ihm dies. Da kam zu ihm ein weiterer Mann und fragte ihn auch darüber. Er verbot ihm dies aber. Derjenige, dem er dies erlaubte, war nämlich ein alter Mann und derjenige, dem er dies verbot, war ein junger Mann." 
Und Allah, der Hocherhabene, weiss es am besten!


Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

 

5. Macht Schleim das Fasten des Fastenden ungültig? Und macht sein Hinunterschlucken das Gebet ungültig?

Das Hinunterschlucken von Schleim während des Fastens macht das Fasten nicht nichtig, es sei denn, der Fastende wirft diesen aus und schluckt ihn wieder hinunter. Dann ist sein Fasten nichtig. Der Autor des Werkes Das Gesammelte sagt: "Die Gelehrten sind sich darin einig, dass es nicht schadet, wenn der Schleim ausserhalb des Mundraumes vorkommt. Tritt er innerhalb von ihm auf, wenn er nämlich von der Stirnhöhle in die ihn mit dem Mund verbindende Höhle gelangt, also über den Rachenraum, dann beachtet man Folgendes: Kann man den Schleim nicht absondern, so dass dieser in die Kehle fliesst, dann schadet es nichts. Sondert man ihn ab und schluckt ihn dann hinunter, wird das Fasten dieser Person nichtig. Dies ist die Meinung der Rechtsschulen und die ausschlaggebende Meinung der meisten Gelehrten."

In Befolgung der Meinung, dass das Hinunterschlucken das Fasten nicht nichtig macht, macht auch das Hinunterschlucken während des Gebets dieses nicht ungültig.
 
Und Allah, der Hochaerhabende, weiss es am besten!

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

6. Darf ein Fastender seine Zähne mit Wasser und Zahnpasta während des Fastens putzen?

Es ist statthaft, Wasser und Zahnpasta für das Putzen der Zähne während des Fastentages zu verwenden, solange nichts davon in den Magen gelangt. Das, was das Fasten hinfällig macht, ist nähmlich das Gelangen einer Sache in den Magen durch eine normale Körperöffnung.
Dementsprechend ist es besser für den Fragesteller, dies ausserhalb der Fastenstunden durchzuführen um sich von teuflischen Einflüsterungen und Gedanken fernzuhalten.

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

7. Wie lautet die Rechtsnorm für eine irrtümliche Annahme des Morgengrauens und des Sonnenuntergangs beim Fasten?

Wer nach Anbruch der Morgendämmerung isst und glaubt, dass sie noch nicht angebrochen sei, oder vor Sonnenuntergang in der Annahme isst, dass die Sonne schon untergegangen sei, und danach Klarheit darüber gewinnt, dass er einen Fehler beging, der soll nach Auffassung der meisten Rechtsgelehrten das Fasten nachholen. Denn eine offensichtlich falsche Meinung ist nicht zu berücksichtigen.

Iman Al-Baihaqi überlieferte in seinem Werk As-Sunnan Al-Kubra von Schuaib Ibn Amr Ibn Sulaim Al-Ansari, dass dieser sagte: "Mein Vater und ich brachen zusammen mit Suhaib Al-Chair im Monat Ramadan an einem bewölkten Tag mit Nieselregen unser Fasten. Als wir nun gerade assen, erschien die Sonne plötzlich wieder. Da sagte Suhaib: "Eine Speise von Allah! Vollendet euer Fasten bis Sonnenuntergang und holt einen Tag für diesen nach!"

Und Allah, der Hocherhabene, weiss es am besten.

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

8. Hat das Fasten Rangstufen? Und wie sehen diese Rangstufen aus?

Ja, das Fasten hat Rangstufen. Einige Leute enthalten sich lediglich des Essens und Trinkens. Dies ist die niedrigste Rangstufe des Fastens. Andere enthalten sich sowohl des Essens und Trinkens als auch übler Taten und schlechter Worte. Diese Rangstufe ist höher als die erste. Eine Elite enthält sich des Essens und Trinkens, übler Taten und verwerflicher Äusserungen und ihre Herzen enthalten sich der Leidenschaften und ihre Sinne all dessen, was nicht mit Allah zusammenhängt. Dies stellt die höchste Rangstufe des Fastens dar.

Bei Iman Al-Ghazali finden wir, dass er dem Fasten drei Rangstufen zuweist:

1. Das Fasten der breiten Masse: Dabei enthalten sich Magen und Genitalien der Befriedigung von Begierden.
2. Das Fasten der Besonderen: Dabei enthalten sich Ohr, Auge, Zunge, Hand, Fuss und andere Gliedmassen sündhaften Verhaltens.
3. Das Fasten der Besonderen unter den Besonderen: Das Herz enthält sich niederer Beschäftigungen und weltlicher Gedanken und all dessen, was nicht mit Allah dem Hocherhabenen zusammenhängt.

Und Allah, der Hocherhabene, weiss es am besten.

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

9. Wie lautet die schariatische Rechtsnorm für Ausübung des Geschlechtsverkehrs seitens eines Fastenden mit seiner Ehefrau tagsüber im Monat Ramadan?

Wenn ein Muslim im Ramadan tagsüber mit seiner Ehefrau Geschlechtsverkehr ausübt, ist sein Fasten nicht valid und er muss Sühne leisten und den Tag nachholen. Es ist überliefert, dass ein Mann zum Propheten (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) kam und ihm klagte: "0 Gesandter Allahs, ich bin zugrunde gegangen!" Der Prophet fragte: "Was ließ dich zugrunde gehen?" Der Mann antwortete: "Ich habe tagsüber im Monat Ramadan meiner Frau beigewohnt!" Allahs Gesandter (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) fragte: "Kannst du etwas finden, womit du einen Sklaven freikaufst?" Der Mann entgegnete: "Nein!" Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) fragte weiter: "Kannst du zwei Monate hintereinander fasten?" Der Mann entgegnete: "Nein!" Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) fragte: "Kannst du sechzig bedürftige Menschen speisen?" Der Mann entgegnete: "Nein!" Dann setzte sich der Mann. Da wurde dem Propheten (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) eine Schüssel Datteln gebracht und der Prophet sagte: "Gib diese Datteln als Spende!" Der Mann erwiderte: "Zwischen den beiden Enden der Stadt gibt es keine Familie, die bedürftiger wäre als meine!" Da lachte der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) und sagte: "Dann gehe und speise damit deine Familie!"
Viele Rechtsgelehrte sind der Meinung, dass die erwähnte Sühne allein dem Ehemann obliegt, und zwar für den Fall, dass der Beischlaf nicht aus Vergesslichkeit hinsichtlich des Fastens durchgeführt wurde, wobei diese gemäß der im oben erwähnten Hadith genannten Reihenfolge geleistet werden muss. Also muss er einen Sklaven freikaufen, wenn er dazu in der Lage ist. Vermag er dies jedoch nicht, muss er zwei aufeinanderfolgende Monate fasten. Ist er dazu ebenfalls nicht fähig, muss er sechzig Bedürftige speisen, wie er seine Angehörigen im Durchschnitt speist.
 

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Aegypten

10. Darf eine Schwangere im Falle, dass eine Blutung im Monat Ramadan eintritt, fasten? Und wie lautet ebenfalls die Rechtsnorm für ihr Gebet?

Sie darf fasten, denn diese Blutung wird als Vaginalblutung betrachtet. Sie darf auch beten, und zwar gemäß den Worten des Gesandten Allahs (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen): "Bete, selbst wenn das Blut tropfenweise auf die Matte fällt!"

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

11. Was obliegt meiner Frau, die bei Beginn des Monats Ramadan im dritten Monat ihrer Schwangerschaft sein wird, falls sie nicht fasten kann?

Bangt Ihre Frau um ihr Leben oder um ihr Leben und gleichzeitig um den Fetus und bricht sie dann das Fasten ab, muss sie nur das Fasten nachholen, und es gibt keine Sühneleistung von ihr. Hat sie Angst ausschliesslich um den Fetus, weil Spezialisten sie davor warnten, dass ihr Fasten dem Fetus schädigen könne, muss sie das Fasten nachholen und die Sühne leisten, nämlich für jeden versäumten Tag einen Bedürftigen in Höhe von einem Mudd [ca. 800 Gramm] speisen. Ein Mudd beläuft sich auf ein Viertel Sa'-Hohlmaß, das heißt ein Viertel von dem, was man normalerweise bei der Zakat des Fastenbrechens an Getreide, Datteln oder Ähnlichem entrichtet.

Und Allah, der Hocherhabene, weiß es am besten!  

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

12. Genügt es für eine Frau, die im Ramadan schwanger war, eine Sühne in Form von Speisen von dreissig Bedürftigen zu leisten? Oder muss sie auch das Fasten nachholen? Und wie geschieht das und wann?

Ich bin eine im zweiten Monat schwangere Frau. Die mich behandelnde Ärztin empfahl mir, im Monat Ramadan nicht zu fasten. Dies ist mir meines Wissens nach gestattet. Deshalb ermöglicht mir Allah der Hocherhabene die Sühneleistung für die dreissig Tage. Ich ließ also dreissig Bedürftige speisen.
Meine Frage lautet nun: Muss ich auch die dreissig versäumten Fastentage nach der Entbindung nachholen? Es ist zu bemerken, dass für den Fall, dass Allah der Erhabene mir das natürliche Stillen ermöglicht, das Fasten in dieser Zeitspanne auch nicht emfehlenswert ist. Denn es ist mir bestimmt mein Baby im kommenden Mai zur WeIt zu bringen, so Allah der Erhabene will. Deshalb wird der nächste Monat Ramadan in die Zeit der Entvvöhnung fallen.
Ich bitte darum, dass Sie mich über entschiedene Anweisung informieren. Das heisst, genügt die Sühneleistung in Form von Speisen von dreissig Bedürftigen? Oder muss ich auch das Fasten nachholen? Und wie geschieht das und wann?  

Antwort:

Solange die behandelnde Ärztin Sie anwies ob der Schwangerschaft nicht zu fasten, können Sie das Fasten unterlassen, wobei Sie zum Nachholen der versäumten Fastentage nach Ramadan verpflichtet sind. Die Sühneleistung reicht nicht für das Nachholen, falls Sie nach der Entbindung zum Fasten in der Lage sind. Das Ramadan· Nachholfasten muss nicht unverzüglich, sondern später zu irgendeiner Zeit verrichtet werden. Es wurde von A‘ischa (möge Allah an ihr Wohlgefallen finden!) authentisch überliefert, dass sie versäumte Tage des Ramadan im Monat Scha'baan nachzuholen pflegte. Verzögert sich also das Nachholen bis zum Anbruch des nächsten Ramadan, muss die Frau den gegenwärtigen Ramadan fasten und dann die entgangenen Fastentage nachholen, wobei sie keine Sühne zu leisten braucht, wenn die Verzögerung entschuldbar ist. Gibt es indes für die Verzögerung keinen Entschuldigungsgrund, muss sie das Fasten nachholen und eine Sühne leisten.
Auf Grund dessen muss die Frau, der die Ärztin die Anweisung gab das Fasten zu unterlassen, die versäumten Tage in der Zeit nachholen, in der sie das Fasten nachholen kann, wobei es unerheblich ist, ob das Nachholen in aufeinanderfolgender oder auseinanderliegender Form geschieht. Die Sühneleistung, die sie bezahlt hat, reicht nicht für das Nachholen, und zwar gemäß den Worten des Erhabenen: 

...so eine Anzahl anderer Tage...
(Sure 2, Vers 184)

Denn sie kann an anderen Tagen fasten. Dabei handelt es sich bei ihr um eine Schuld Allah gegenüber, wobei der Schuld Allah gegenüber mehr Anrecht auf Begleichen zukommt. Und Allah der Hocherhabene weiß es am besten!  

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten
 

13. Meine Ehefrau ist schwanger. Der Arzt untersagte ihr das Fasten. Darf sie nun eine Sühne leisten? Falls die Sühne eine Pflicht ist, wie viel beträgt sie und in welcher Zeit leistet man diese Sühne?

Hat ein muslimischer Arzt die Unfähigkeit der Ehefrau des Fragestellers zum Fasten diagnostiziert, spricht nichts dagegen, dass sie das Fasten unterlässt. Es obliegt ihr dann nach Wegfall des Entschuldigungsgrundes, der sie am Fasten hinderte, die Tage, an denen sie das Fasten unterlassen hat, für jeden Tag einen Tag nachzuholen.

Falls sie jedoch auch nach Wegfall des Entschuldigungsgrundes das Fasten nicht vermag, soll sie für jeden versäumten Fasttag einen Bedümigen durch zwei bei ihr durchschnittliche Mahlzeiten speisen.

Aus dem oben Erwähnten ergibt sich die Antwort auf die Frage, wenn es so verhält, wie in der Frage geschildert.

Und Allah der Hocherhabene weiß es am besten!   

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

14. Inwieweit ist das Fasten der sechs Tage im Monat Schawwal legitim und wie sieht dessen Belohnung aus? Ist das Verbinden der Absicht für dessen Fasten mit dem Nachholen versäumter Fasttage im Ramadan erlaubt? Ist die Aufeinanderfolge für das Fasten der sechs Tage Voraussetzung?

Muslim überlieferte in seiner Sammlung authentischer Hadithe nach einer Aussage von Abu Aijub Al-Ansaari (möge Allah an ihm Wohlgefallen finden!) dass der Prophet Muhammad (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) sagte: "Wer den Monat Ramadan gefastet hat und ihm dann sechs Fasttage im Monat Schawwal folgen lässt, dann ist es so, als ob er ein ganzes Mondjahr gefastet hat." Aus der Sicht vieler Gelehrten ist dies eine Sunna, wobei ein Muslim davon ausgehen kann, dass diese sechs Tage zusammen mit den Fasttagen des Ramadan wie das Fasten eines ganzen Jahres gelten. Das heißt, er fastet 36 Tage und sein Verdienst beträgt das Zehnfache, also 360 Tage und somit die Anzahl der Tage eines Jahres. Ferner sehen die Gelehrten, dass sie im Verhältnis zum Ramadan wie das Sunna·Gebet stehen, das nach dem Pflichtgebet verrichtet wird, und das Fasten im Monat Schaban wie das Sunna-Gebet, das vor dem Pflichtgebet verrichtet wird. Dies füllt die Lücke bei der religiösen Pflicht und belegt die Annahme des Fastens im Ramadan, so Allah der Erhabene will; denn zur Verbindung der Annahme des Gehorsams gehört der Gehorsam danach. Und das belegt auch, dass der anbetend Dienende des Gehorsams nicht müde wurde, und so setzt er sofort nach den Festtagen nach dem Ramadan das Fasten um ein weiteres Mal fort.

Das unmittelbare Aufeinanderfolgen der Tage ist keine Bedingung. Es ist also die Verteilung der Tage im Monat Schawwal auf die Montage und Donnerstage oder auf die Tage der Monatsmitte möglich. Das Beginnen sofort nach den Festtagen ist indes am besten.

Kann der Muslim die ihm obliegenden Tage, die er im Ramadan nicht gefastet hat, vor den sechs Tagen im Schavvwal nachholen, so ist das besser, und zwar gemäß dem Hadith "Der Schuld Allahs gegenüber gebührt es beglichen zu werden.".

Nach den schafiitischen Gelehrten ist es auch möglich die Absicht des Nachholens für die versäumten Tage mit der Absicht des Fastens der sechs Tage zu verbinden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin die sechs Tage im Schawwal zu fasten und die Nachholtage aufzuschieben, allerdings unter der Bedingung, dass die Nachholtage vor dem folgenden Ramadan gefastet sind.

Die Absicht für das Fasten der sechs Tage kann bis zum Mittag des betreffenden Tages gefasst werden, sofern bis dahin nichts getan wurde, was das Fasten ungültig macht. Und das ist etwas Typisches für das zusätzliche Fasten — im Gegensatz zum Pflichtfasten, bei dem die Absicht dafür vor Anbruch des Morgengrauens gefasst werden muss, wobei es unerheblich ist, ob es sich um ein zeitgerechte oder um eine verspätete Durchführung handelt. Und Allah der Hocherhabene weiss es am besten!  

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten
 

15. Darf man die festgelegte Zeit für Zakatu-l-Fitr hinausschieben?

Frage:

Der Zakat-Fonds in unserer Moschee empfing Zakatu-I-Fitr und verteilte diese auf deren Empfangsberechtigten. Das Verteilen der Zakat seitens des Fonds ging um Mitternacht des Festtages zu Ende. Ab zwei Uhr nachts bis zum Festgebet fand man im Fonds 6.000 ägyptische Pfund. Was sollen wir nun mit diesem Betrag tun? Sollen wir ein Schlachttier kaufen und dieses an die Armen oder den Betrag selbst an sie verteilen? 

Antwort:

Die meisten Gelehrten aus den Reihen der Malikiten, Schafiiten und Hanbaliten sind der Meinung, dass der Fälligkeitstermin für das Entrichten von Zakatu-I-Fitr begrenzt ist. Dies stellt auch die Meinung von Al-Hasan ibn Zijaad von den Hanafiten dar. Wer sie erst nach Sonnenuntergang des Festtages ohne Entschuldigungsgrund entrichtet, wird als sündig betrachtet, wobei das Entrichten der Zakat in diesem Fall als nachträgliches Entrichten angesehen wird. Die meisten Gelehrten aus den Reihen der Hanafiten meinen hingegen, dass der Fälligkeitszeitpunkt für das Entrichten von Zakatu-l-Fitr weitreichend ist, weil die Aufforderung zu deren Entrichten sich nicht auf eine bestimmte Zeit beschränkt Wann immer man die Zakat entrichtet, wird dies als Entrichten dieser Zakat zu deren festgelegten Zeit und nicht als nachträgliches Entrichten angesehen. Es ist indes erwünscht, dass man diese vor dem Gehen zum Gebetsplatz entrichtet.

Die Rechtsgelehrten sind der einmütigen Meinung, dass Zakatu-l-Fitr durch verstreichen ihrer festgelegten Zeit nicht hinfällig wird, denn sie wurde zur Pflicht für den Zakat-Pflichtigen gegenüber den Empfangsberechtigten erklärt. Es ist also quasi eine Darlehnsschuld zu Gunsten der Empfangsberechtigten, die nur durch das Tilgen hinfällig wird.

Der schafiitische Scheich des Islam Al-Baidschuri erwähnte in einer Anmerkung zum Werk Scharhu Ibn Qaasim-l-Ghazzi Ala Matni Abi Schudschaa': "Es ist gestattet die Zakat - das heißt Zakatu-I-Fitr - ab Anfang des Monats Ramadan zu entrichten. Es gehört zur Sunna, dass man sie vor dem Festgebet als Befolgen der Sunna entrichtet, falls man das Festgebet zu Tagesbeginn verrichtet. Wird das Festgebet später verrichtet, ist das Entrichten von Zakatu-l-Fitr zu Tagesbeginn erwünscht und dessen Hinauszögern bis zum Ende des Festtages - das heißt bis vor Sonnuntergang dieses Tages - unerwünscht. Hingegen ist das Hinauszögern von Zakatu-l-Fitr darüber hinaus - das heißt über das Ende des Festtages hinaus, also nach Sonnenuntergang - haram, im Gegensatz zur Zakat auf Vermögen, deren Hinauszögern dem Zakat· Pflichtigen gestattet ist, falls dies die vorhandenen Empfangsberechtigten nicht in starker Weise schädigt."

Die Sünde ist von Entscheidungsfreiheit, Vorsätzlichkeit und Fähigkeit abhängig. Ist jemand nicht im Stande Zakatu-I-Fitr zu entrichten oder vergisst er diese, muss er sie nach Meinung der meisten Gelehrten nachträglich entrichten, wobei bei den Hanafiten das Entrichten mit der Befreiung von der Sünde verbunden ist.

Auf Grund dessen und in Beantwortung der Frage gilt Folgendes:

Das in den Fonds für Zakatu-l-Fitr vorgefundene Geld muss sofort an die Empfangsberechtigten, so wie es vorhanden ist, in bar entrichtet werden, und es wird für sie nichts davon gekauft. 

Und Allah der Hocherhabene weiss es am besten!  

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten
 

16. Darf man Zakatu-l-Fitr das ganze Jahr hindurch verteilen?

Frage:

Zu den Aktivitäten unseres Vereins gehört das "Projekt der Krankenfreunde", in dem man den Unterhalt für arme Kranke aufvvendet, das "Projekt der Inobhutnahme von Waisen", in dem man für Waisen in Bargeld und Naturalien verteilt, und das "Projekt der Sozialhilfe für Arme in Naturalien und in bar". Dürfen wir Zakatu-l-Fitr für diese Aktivitäten das ganze Jahr hindurch ausgeben? Oder ist das Verteilen des Erlöses von Zakatu- I-Fitr, die der Verein erhält, während des Monats Ramadan Voraussetzung? 

Antwort:

Die Empfangsberechtigten von Zakatu-I-Fitr sind bei den meisten Gelehrten die Gleichen wie bei der Zakat auf Vermögen. lm Gegensatz dazu meinen die Malikiten und Imam Ahmad in einer Überlieferung, dass Zakatu-I-Fitr sich auf die Armen und die Bedürftigen beschränkt. Ebenso ist der Fälligkeitszeitraum für das Entrichten von Zakatu-l-Fitr bei den Hanafiten das ganze Leben, wobei sie meinen, dass ihr Hinauszögern über den Festtag hinaus unerwünscht ist. Dies steht im Gegensatz zur Meinung von AI-Hasan ibn Zijaad und der meisten Gelehrten, die das Entrichten von Zakatu-I-Fitr am Festtag zur Pflicht machten, wobei sie jemanden, der dessen Entrichten hinauszögert, der Sünde zeihen.

Es spricht nichts dagegen, dass man der Meinung der Hanafiten hinsichtlich des Aufwendens von Zakatu-I-Fitr für die Armen an allen Tagen des Jahres folgt, falls der Nutzen und das Interesse dies erfordert. Es ist darauf hinzuweisen, dass dies zu keiner allgemeinen Angelegenheit werden soll, bei der jede Zakatu-I-Fitr aufgewandt wird, damit dies keinen Anlass zur Nichtigkeit deren eigentlichen Zweckes gibt; denn das Hauptziel von Zakatu-I-Fitr ist die Deckung des Bedarfs Armer am Festtag und Großzügigkeit ihnen gegenüber an ihm. Und genau hier liegt der Sinn, um dessentwillen das Hinauszögern von Zakatu-I-Fitr über den Festtag hinaus bei den meisten Gelehrten für haram erklärt wurde. Der Prophet (Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen WohIergehen!) wies darauf in einem von Ibn Sa'd in dessen Werk At-Tabaqaat, Ad-Daraqutni und Al-Baihaqi nach einer Aussage von Ibn Umar (möge Allah an ihm Wohlgefallen ünden!) überlieferten Hadith durch seine Worte hin: "Erspart ihnen [den Armen und Bedürftigen] an diesem Tag das Umhergehen!" So soll man von diesem Ziel der Solidarität am Festtag weg zu einem anderen Empfängerkreis der Zakat keinen Abstand nehmen, solange die Menschen jemanden brauchen, der sie am Festtag unterstützt, wie dies sich in vielen armen Ländern und Gesellschaften zeigt, in denen viele Menschen eventuell nicht das finden, womit sie sich selbst und ihren Familienangehörigen gegenüber am Festtag freigebig sein können.

Und Allah der Hocherhabene weiß es am besten! 

Quelle: Dar-Al-Iftaa, Ägypten

17. Darf man das Zakatu-l-Fitr am Anfang des Ramadan einer Hilfsorganisation bezahlen?

Wenn es im Land, in dem man sich aufhält, keine Armen gibt, die das Zakat entgegennehmen oder die es brauchen oder es schwer fällt Arme zu finden, die das Zakat brauchen, dann kann man das Zakat auch ausserhalb des Aufenthaltlandes bezahlen. Man kann es auch am Anfang des Monats einem Vertreter (z.B. einer Hilfsorganisation) bezahlen , damit er damit etwas kauft und das Zakat somit am Fälligkeitstag, d.h. in der Nacht auf das Fastensbrechensfest oder zwei Tage vorher, verteilt.

Quelle: www.islam-qa.com