Die Gerechtigkeit von Schuraik
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Eine Frau kam zum Richter Schuraik und sagte: „Ich suche den Schutz bei Allah, dann beim Richter. Ich stamme von Dscharir Ibn Abdullah ab, dem Gefährten des Propheten (s). Schuraik sagte: „Wer hat dir denn Unrecht getan?“ Die Frau antwortete: „Der Emir Isa Ibn Musa. Ich habe einen Garten am Ufer des Euphrats, den ich von meinem Vater geerbt habe. Und ich habe dort Palmenbäume. Ich habe eine Mauer gebaut, die meinen Garten von jenen meiner Brüder trennt. Ich habe auch einen persischen Mann angestellt, damit er die Palmen pflegt und für den Garten schaut. Der Emir Isa hat die Gärten von meinen Brüdern gekauft. Er verhandelte mit mir, aber ich wollte meinen Garten nicht verkaufen. Darauf schickte er in der Nacht 500 Männer, die die Mauer abrissen, so dass ich meinen Garten von den Gärten meiner Brüder nicht mehr unterscheiden kann und die Palmen sich vermischt haben.“

Schuraik sagte zu seinem Gehilfen: „Geh zum Emir Isa und bring ihn zu mir.“ Und er gab dem Gehilfen ein Schreiben mit seinem Stempel darauf mit.

Der Gehilfe kam zum Emir Isa und sagte zu ihm, er soll mit ihm zum Qadi Schuraik kommen. Der Emir Isa liess den Polizeichef rufen und sagte zu ihm: „Geh zu Schuraik und sag ihm: 'Subhana Allah, ich habe nichts Merkwürdigeres gesehen wie diese Sache. Eine Frau behauptet zu Unrecht etwas über mich. Würdest du so etwas zulassen?'“ Der Polizeichef sagte: „Wenn Sie mich nur davon verschonen würden!“ Darauf sagte Emir Isa zu ihm: „Wehe dir, geh los!“

Als der Polizeichef ausging, bat er seine Männer darum, dass sie für ihn eine Decke und die sonstigen nötigen Sachen für die Haft zu besorgen. Als er vor Schuraik stand und ihm die Botschaft von Emir Isa überbrachte, sagte Schuraik zu seinem Gehilfen: „Nimm ihn an der Hand und bring ihn ins Gefängnis“. Da sagte der Polizeichef: „Bei Allah, o Abu Abdallah (Schuraik), ich wusste es, deswegen habe ich die nötigen Sachen für die Haft mitgebracht.“

Als der Emir Isa Ibn Musa dies erfahren hat, schickte er seinen Hofmeister zu Schuraik. Als der Hofmeister vor ihm stand, sagte Schuraik zu ihm: „Welch ein Bote bist du!“ und er schickte ihn ins Gefängnis zu seinem Vorgänger, dem Polizeichef.

Als Emir Isa das erfuhr, schickte er Abu Ishaq Al-Asch’athi und andere angesehene Leute Al-Kufas von den Freunden von Schuraik zum letzteren in die Moschee. Emir Isa sagte zu ihnen: „Geht zu ihm, grüsst ihn von mir und teilt ihm mit, dass er so geringschätzig mit mir umgeht. Teilt ihm mit auch mit, dass ich mit den einfachen Leuten nicht gleichzusetzen bin.“

Nachdem Schuraik das Asr-Gebet in der Moschee verrichtet hatte, kamen die Leute, die Emir Isa geschickt hat, zu ihm und überbrachten ihm die Botschaft von Emir Isa. Darauf sagte Schuraik: „Ihr hattet ja noch nie eine Fürsprache für andere Leute gemacht!" Dann schaute er sich um und rief: "Wer ist hier von den Jungen des Viertels?“ Da kamen die jungen Leute auf ihn zu. Er sagte: „Jeder von euch nimmt einen von diesen Männern und bringt ihn ins Gefängnis." Und er sprach zu seinen Freunden: „Bei Allah, ihr werdet dort übernachten.“ Seine Freunde fragten verwundert: „Meinst du es denn ernst?“ Schuraik antwortete: „Ja, damit ihr nicht wieder eine Botschaft eines Unrecht tuenden Menschen überbringt.“ Und er liess sie einsperren.

Emir Isa Ibn Musa ging in der Nacht zum Gefängnis und befreite sie alle. Als Schuraik am nächsten Tag an seinem Platz zum Richten sass, kam der Wächter zu ihm und erzählte ihm, was der Emir Isa in der Nacht getan hatte. Der Qadi Schuraik sagte dann zu seinem Gehilfen: „Folge mir mit meinen Sachen nach Bagdad. Bei Allah, wir haben sie um diesen Richterposten nicht gebeten. Sie haben uns dazu gezwungen und haben uns die Ehrwürdigkeit versichert.“ Er machte sich auf den Weg nach Bagdad. Als der Emir Isa Ibn Musa das erfuhr, reiste er mit seinem Zug schnell hinter ihm her. Als er ihn erreichte sagte er zum ihm: „O, Abu Abdallah, überleg es dir doch! Sperrst du deine Brüder ein? Lass dann meine Männer frei!“ Schuraik antwortete: „Ja (Ich habe sie eingesperrt), weil sie in einer Sache vermittelten, in der sie keine Vermittlung machen sollten. Und ich kehre nicht zurück, bis sie alle wieder ins Gefängnis gebracht werden. Ansonsten gehe ich sofort zum Kalifen und bitte ihn darum, mich von diesem Posten zu befreien.

Emir Isa liess die Männer wieder ins Gefängnis bringen. Als der Wächter kam und Schuraik versicherte, dass sie alle wieder im Gefängnis sind, sagte er zu seinen Männern: „Führt ihn (Emir Isa) zum Richterplatz.“ Sie führten Emir Isa vor ihm, bis sie zum Richterplatz kamen. Als Emir Isa und die Anklägerin vor Schuraik standen, liess Schuraik die eingesperrten Männer freilaufen und dann fragte er Emir Isa: „Was sagst du zu dem, was diese Frau behauptet?“ Emir Isa antwortete: „Sie hat recht.“ Da sagte Schuraik: „Du gibst ihr alles zurück, was ihr weggenommen wurde. Und du baust schnellstmöglich ihre Mauer wieder auf.“ Isa antwortete: „Ich tue es.“ Da fragte Schuraik die Frau: „Bleibt noch etwas?“ Sie antwortete: „Ja, das Haus des persischen Mannes und seine Sachen.“ Dann sagte Schuraik zu Isa: „Und du baust das Haus vom persichen Mann und haftest für seine Sachen.“ Dann fragte er die Frau wieder: „Bleibt noch etwas?“ Sie sagte: „Nein“ und ging nachher fort. Dann stand Schuraik auf und ging zu Emir Isa Ibn Musa, nahm ihn an der Hand und setze ihn neben sich an seinen Platz und sagte zu ihm: „Assalamu alaika, o Emir. Befiehlst du mir etwas?“ Da sagte Isa zu ihm: „Was befehle ich dir denn noch?“ und lachte.

 

 

Quelle: www.islamstory.com